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16.5. – 31.10.2021Faszination Farbe

Eine Ausstellung des Carl Bosch Museums, Heidelberg, im Sonderausstellungsgebäude

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Rot, grün, blau statt trist und grau

Farben prägen die Welt – das Blau des Himmels, das Grün der Pflanzen, das Rot der Erdgesteine. Doch was ist Farbe? Für welche Phänomene wird der Begriff verwendet?

In dieser Saison zeigt das Hagener LWL-Freilichtmuseum die Farben-Ausstellung des Carl-Bosch-Museums aus Heidelberg. Die Ausstellung erklärt die Phänomene rund um die Farben. Mit interaktiven Stationen und Exponaten eröffnet sie den Besuchern einen facettenreichen Blick auf das Thema und zeigt, auf wie viele unterschiedliche Arten Farbe entsteht. Licht spielt dabei natürlich eine herausragende Rolle – unterstützt vom Gehirn. Auf dem sensorischen Weg vom wahrgenommenen Gegenstand bis zum subjektiven Farbeindruck vollbringt es zusammen mit den Augen beeindruckende Leistungen.

Farbsysteme und Farbmittel

Farben sind komplex. Deshalb ist es schwierig, sie exakt zu bestimmen und zu kategorisieren. Dazu entwickelten nicht nur Johann Wolfgang von Goethe, sondern auch Künstler und Wissenschaftler Farbsysteme, um Farben und ihre Eigenschaften besser einzuordnen. Die heute viel genutzten Farbsysteme sind zum Beispiel RAL- und Pantone-Farben.

Viele Beispiele in der Ausstellung erklären die Entwicklung pflanzlicher und mineralischer Farben für das Textilfärben und für künstlerisches Schaffen. Seit Ende des 19. Jahrhunderts werden künstliche Farben hergestellt, die Anilinfarben. Das veränderte und ergänzte die bisherige Welt der Naturfarben grundlegend. Heute gibt es eine unglaubliche Farbvielfalt in allen Lebensbereichen. Die Ausstellung ordnet sie ein und stellt einige davon vor, zum Beispiel die „funktionellen Farben“ oder die „Farbgeschichten“, die von den Besonderheiten einzelner Farben wie „Titanweiß“ oder „Carbon Black“ erzählen.

Das Hagener LWL-Freilichtmuseum ergänzt die Präsentation mit Objekten aus der eigenen Sammlung und zeigt, welche Rolle Farben im Handwerk und Gewerbe spielen. Da gibt es etwa Farbmusterkarten zu entdecken, aber auch im Farbkontext unerwartete Dinge wie eine Lakespritze aus dem Fleischerhandwerk.

 

Mit der Familienrallye, die an der Kasse kostenfrei erhältlich ist, erforscht die Familie gemeinsam die Farben im Freilichtmuseum und in der Ausstellung.

Zu Farben in Handwerk und Gewerbe erscheint außerdem die Publikation: „Faszination Farbe“, ca. 100 Seiten.

ab Museumsöffnung bis 31.10.2021Handwerksbilder aus dem 18. Jahrhundert

Für die Jugend geschildert, Ausstellung in der Gelbgießerei

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Für die Jugend geschildert

In der Gelbgießerei werden Bilder von Werkstätten aus dem 18. Jahrhundert gezeigt. Interessant ist, dass sie speziell für Kinder und Jugendliche gestaltet waren. Die Abbildungen sollten Neugierde wecken und dazu anregen die Handwerker zu besuchen, um sie bei ihren Arbeiten kennenzulernen. Der Jurist Paul von Stetten (1731 – 1808) gab zusätzlich zu den Bildern einen Textband heraus, in dem er die dargestellten Berufe und Arbeitsabläufe kurz erklärte.

Die gewählte Reihenfolge der bebilderten Handwerke in dem Buch ist nicht zufällig: Sie beginnt mit den Arbeiten auf dem Land. Als nächstes folgen Handwerke, die Lebensmittel herstellen und Berufe, die rund um den menschlichen Körper arbeiten. Danach werden Handwerke gezeigt, die Rohstoffe verarbeiten, diese sind nach dem Wert der Rohstoffe geordnet. Abschließend präsentiert das Buch verschiedene Handwerke, die als „Künste“ bezeichnet wurden. Auf diese Weise wurden die Jugendlichen zugleich mit einer Hierarchie der Arbeiten vertraut gemacht.
Die Informationen sollten für das spätere Leben nützlich sein. Solche Werke waren typisch für die Zeit der „Aufklärung“ im 18. Jahrhundert. Es gab zahlreiche Bestrebungen, den Nachwuchs altersgerecht zu bilden und zu unterrichten.
Die Kupferstiche entstanden in Augsburg, das bis in jene Zeit für seine Handwerks- und Gewerbebetriebe berühmt war. Als die Bilder um 1770 entstanden war dort allerdings schon ein wirtschaftlicher Stillstand eingetreten.  
Die Zeichnungen stammen von Christian Erhardt (1730? – 1805) und wurden von Kupferstechern in Kupferstiche übertragen. Erhardt schuf charakteristische Arbeitsszenen. Er konzentrierte sich auf wesentliche Arbeitsvorgänge mit wenigen Details: Die dargestellten Werkstätten sind karg ausgestattet. Das machte es leichter für die Kinder und Jugendlichen, die wichtigsten Arbeiten, Werkzeuge und Produkte zu erkennen.
Diese Ausstellung zeigt vor allem die Werkstätten und Tätigkeiten, die auch im Museum zu besuchen sind. Fotografieren Sie Ihre Lieblingswerkstattbild in der Ausstellung und vergleichen Sie das dann mit unserer Werkstatt im Freilichtmuseum!

Eröffnung auf unbestimmte Zeit verschobenKostbarkeiten sicher verwahrt

Eine Ausstellung des Deutschen Messingmuseums für angewandte Kunst, Krefeld, im Goldschmiedehaus

Eine Messingdose mit Ornamenten

Glänzend wie Gold

erscheinen die rund 100 Dosen und Behälter aus Messing aus dem Deutschen Messingmuseum für angewandte Kunst in Krefeld. Die Behältnisse entstanden in der Zeit vom Ende des 18. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. In diesem Sommer sind diese Glanzstücke im Goldschmiedehaus des Hagener LWL-Freilichtmuseums ausgestellt.

Messing als Material für Hausrat und private Dinge waren bis ins 20. Jahrhundert in wohlhabenden adligen und bürgerlichen Häusern beliebt. Auch wenn Messing inzwischen aus der Mode gekommen ist – es ist immer noch schön anzusehen!

Aus Messing entstanden funktionale sowie dekorative Gegenstände. Es ist im Vergleich zu anderen Metallen relativ preiswert, lässt sich einfach verarbeiten und „macht etwas her“: Schon auf den ersten Blick besticht der goldige Glanz der Dosen und Behälter. Natürlich war die Imitation des wertvollen Edelmetalls beabsichtigt. So wurden Dosen in vielen Formen für die unterschiedlichsten Aufbewahrungsmöglichkeiten hergestellt. Das breite Spektrum reicht von Behältern für Bargeld, Fischwürmern bis zu Tabak, Tee und Zucker.

An den Dosen lassen sich auch historische soziale Entwicklungen ablesen. Zum Beispiel zeigen die verschließbaren Zuckerdosen an, dass Zucker bis in das 19. Jahrhundert Luxus war.

Die Ausstellung informiert auch zu den Herstellungstechniken. Dosen und Behälter wurden zunächst von „Gürtlern“ hergestellt, die hauptsächlich Gürtelschnallen produzierten. Gürtler beherrschten viele Techniken, um Messing zu kunstvoll zu formen. Messing ist eine Legierung aus Kupfer und Zink und daher geschmeidig und dehnbar. Sogar in kaltem Zustand lässt es sich schmieden, treiben, drücken und pressen. Darüber hinaus ist es in heißem Zustand zum Gießen geeignet. Außerdem falzten, bördelten, nieteten und löteten die Gürtler, um einzelne Teile zu verbinden. Durch den letzten Arbeitsgang, dem Polieren, entsteht der strahlende Glanz.

Ein Zentrum der deutschen Messingverarbeitung war Iserlohn, das für die Produktion von Tabakdosen berühmt war. Weitere wichtige Zentren bildeten Aachen, Braunschweig und Nürnberg sowie Dinant in Belgien.

Unser Tipp: Vor dem Besuch dieser Ausstellung im Goldschmiedehaus lohnt es sich, die Werkstätten der Messingstampfe und der Gelbgießerei im unteren Museumsbereich zu besichtigen. Beide Betriebe stammen aus Iserlohn und in beiden wurde Messing verarbeitet.

Bildnachweis: Deutsches Messingmuseum für angewandte Kunst, Krefeld